SURROUND

SURROUND ist eine neu gegründete Formation bestehend aus den Szenografen Séverine Urwyler und Lukas Sander in Kollaboration mit dem Soundkünstler Christian Berkes.
Im Fokus unserer Arbeit stehen besondere Orte in der Stadt oder deren Peripherie, die wir temporär mit szenografischen Eingriffen und Soundinstallationen anreichern. Die von uns vorgenommenen bildnerischen Modifikationen und die mittels versteckter Lautsprecher installierten klanglichen Ereignisse und Atmosphären arbeiten mit vorgefundenen Gegebenheiten und erweitern diese um fiktionale Elemente. Unsere Kunst thematisiert dabei besonders das Zusammenspiel von Raum und Sound, sowie die Präsenz ihrer Rezipienten.
Klang als charakteristischer Bestandteil unserer Arbeiten verweist schon aufgrund seiner Natur als physikalisches Phänomen und seiner unmittelbaren Rezeptionsweise auf die körperliche Präsenz eines Hörers. Sound kann in diesem Sinne jegliches klangliches Ereignis sein wie Kompositionen aus Textfetzen, Stimmen, vorgefundenen Geräuschen, Field Recordings und musikalischen Versatzstücken, die momenthaft oder als zeitlich ausgedehnte Fläche in Erscheinung treten. Die besondere Qualität von Klang, einen scheinbar leeren oder allenfalls von Spuren besetzten Raum zu füllen und diesen gleichsam aufzuladen, kommt hier zum tragen. Raum bedeutet hier jegliche durch ein Soundscape zu besetzende Sphäre - dies kann ein Ausstellungsraum, eine leere Wohnung oder ein entlegenes Stück Land unter freiem Himmel in der Nähe einer Autobahn sein. Die Verbindung der beiden Elemente wird in seiner Bezugnahme auf den vorgefundenen und bespielten Ort automatisch site-specific.
Unsere Kunst verhält sich bewusst entgegen einer überkommentierten Welt der Geheimnislosigkeit, flächendeckenden Beobachtung und interpassiven Erfahrungen und generiert ein Erlebnis, das ein Einordnen und Interpretieren ermöglicht und somit die Bedingungen der Entstehung von individueller Imagination und Narration als situatives und assoziatives Spiel von Bedeutung überhaupt erst hervorbringt. Hierfür suchen wir nach einem Format an der Schnittstelle von performativer und installativer Kunst, das eine unmittelbare künstlerische Erfahrung von spezifischer Realität in Bezug zu eigener Präsenz erleben lässt.


Séverine Urwyler (*1984) absolvierte das Masterstudium in "Scenic Arts Practice" an der Universität der Künste in Bern. Davor lebte Sie für fünf Jahre in Norwegen, studierte an der Norwegischen Theaterakademie in Fredrikstad und schloss mit einem Bachelor in Bühnenbild und Kostümdesign ab. Ferner besuchte sie den Vorkurs mit Vertiefung in Film und Fotografie an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie ist Gründungsmitglied der Künstlergruppe VOLUMEN EXPRESS and friends, die sich in ihrer Arbeit mit der Grenze zwischen Installation und (Theater-)Performance auseinandersetzt. Die meisten Werke enthalten dokumentarische Fragmente wie zum Beispiel ihre erste große Theaterinstallation "Tyskerjenter - Deutschenflittchen", eine ortsspezifische Arbeit, die 2008 auf der Insel Hovedøya im Oslofjord an der Stelle uraufgeführt wurde, wo 1945 ein Internierungslager für sogenannte "Kriegs Bräute" errichtet war. Das Stück handelt von norwegischen Frauen, die intime Beziehungen mit deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg hatten. Ihre Arbeiten wurden gefördert vom Norwegischen Kulturrat, Fond for Performing Arts (FFUK), Goethe Institut, Fond for Sound and Image (FfLOB) und der Fondation Fritt Ord. Séverine Urwyler lebt und arbeitet in Zürich.


Lukas Sander (*1983) studierte Szenografie und Ausstellungsdesign an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und im Masterstudiengang Theater / Bühnenbild an der Zürcher Hochschule der Künste. Vor und während dem Studium arbeitete er in unterschiedlichen Departements wie Kamera, Ausstattung und Schnitt bei Spielfilmen, sowie als Cutter im Dokumentarfilm. Seit 2008 arbeitet er auch als Bühnen- und Kostümbildner (am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Theater Luzern) und als Bühnenbildassistent am Schauspiel Frankfurt und dem Opernhaus Zürich. Daneben entstanden in freien Arbeiten diverse Sound- und Video- Installationen sowohl im performativen als auch musikalischen Kontext, sowie die kuratorische Konzeption und künstlerische Mitarbeit an Ausstellungsprojekten. Lukas Sander lebt und arbeitet zur Zeit in Zürich.


Christian Berkes (*1979) studiert Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Im Zentrum des Studiums steht der künstlerische Umgang mit Klang als Ausdrucksmedium, der sich primär in elektroakustischen Kompositionen ausdrückt. Maßgeblich sind hierbei psychoakustische Phänomene, die Symbiose aus Sprache und synthetisierten Klängen sowie das Spannungsfeld von vertrauten und abstrakten Geräuschen. Gegenwärtig liegt der Fokus auf der kompositorischen Verräumlichung von Klängen, sowie orts- bzw. raumbezogene Klanggestaltung. Außerdem entstanden in der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Künstlerinnen Werke im Bereich des Hörspiels, Films sowie installativen Arbeiten. Momentan arbeitet er an an einer Sammlung von Klangcollagen, die 2014 als Album veröffentlicht werden.